Artikel aus dem Bereich Elektronik- und Elektrotechnik-Design

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Der Raspberry Pi - Teil 4: Einrichten eines einfachen Servers

Gepostet am 10. Januar 2015

Wenn Sie an diesem Punkt unserer Raspberry Pi Serie angelangt sind, haben Sie ein Arch Linux ARM auf Ihrem Raspberry aufgesetzt, mit dem Sie nun weiter arbeiten können. In diesem Artikel werden Sie Ihren Raspberry Pi als einfachen Server für Ihr lokales Netzwerk einrichten, der Webseiten ausliefert und als FTP Server agiert. Die in diesem Artikel beschriebenen Einstellungen sollten Sie nur für einen Server verwenden, der ausschließlich in Ihrem lokalen Netzwerk erreichbar ist. Für das Internet sollten die Einstellungen angepasst werden, was jedoch nicht Bestandteil dieses Artikels ist.

Falls Sie die Software sudo noch nicht eingerichtet haben, sollten Sie dies jetzt nachholen. Weiter empfehle ich Ihnen, einen Benutzeraccount anzulegen, der keine Root Berechtigungen besitzt. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie aus Ihrem Heimnetzwerk auf den Server zugreifen möchten. Falls Sie Nutzer aus dem Netzwerk einen Zugriff mit root-Rechten gestatten, kann dies fatale Folgen haben - so könnten unter anderem Einstellungen über das Netzwerk verändert sowie Daten gelöscht und gestohlen werden. Im Internet finden Sie einige gute Anleitungen, die Ihnen dabei helfen, sudo einzurichten. Eine Anleitung für Debian finden Sie hier. Allerdings benutzen wir in diesem Artikel Arch Linux ARM, der Vorgang ist jedoch sehr ähnlich (Anmerkung: Anstatt des in der Anleitung benutzen Tools apt-get müssen Sie bei Arch Linux pacman verwenden).

Falls Sie mit Kommandozeilen-Texteditoren wie vi oder nano noch nicht vertraut sind, finden Sie auch zu diesem Thema jede Menge Online-Hilfestellungen. Eine dieser Referenzen für den vi finden Sie hier.

Festlegen des Hostnames

Sie sollten Ihrem Raspberry Pi Server einen Hostnamen zuweisen. Hierzu müssen Sie die Konfigurationsdatei des Hostnames mit Hilfe eines Texteditors anpassen, die unter /etc/hostname zu finden ist. Sie können beispielsweise den Kommandozeile-Editor vi nutzen, geben Sie hierzu den folgenden Befehl auf der Kommandozeile ein:

sudo vi /etc/hostname

Nun müssen Sie den Inhalt der Datei zum gewünschten Namen Ihres Raspberry Pis ändern. Ich habe meinen Server webpi genannt, der Name ist jedoch frei wählbar. Wenn Sie im weiteren Text das Wort webpi lesen, geht es um meinen Raspberry Pi. In Ihrer Konfiguration müssen Sie webpi durch den von Ihnen vergebenen Namen ersetzen.

Nachdem Sie den Hostname angepasst haben, sollten Sie zudem die hosts Datei anpassen. Dies stellt sicher, dass der Pi seinen Namen kennt. Geben Sie hierzu das folgende in die Kommandozeile ein:

vi /etc/hosts

Die folgenden Einträge

127.0.0.1 localhost.localdomain localhost
1 localhost.localdomain localhost

müssen Sie wie folgt anpassen:

127.0.0.1 localhost.localdomain localhost webpi
1 localhost.localdomain localhost webpi

Um sicherzugehen, dass Ihre Einstellungen wirksam werden, starten Sie den Raspberry Pi neu. Anschließend können Sie mit dem Befehl ping überprüfen, ob der Raspberry Pi auf den von Ihnen gesetzten Namen hört. Dies funktioniert wie folgt:

ping webpi

Anmerkung: Je nachdem wie hochwertig Ihr Router ist, können Sie den nächsten Schritt eventuell überspringen. Versuchen Sie hierzu den Raspberry Pi von einem PC in Ihrem Netzwerk zu pingen. Ist dies erfolgreich, können Sie bei “Einrichten des Apache-Webservers” fortfahren.

Mit dem Kommando “ifconfig”, das auf der Kommandozeile ausgeführt wird, können Sie sich die IP Adresse Ihres Raspberry Pis anzeigen lassen. In Ihrem Heimnetzwerk wird diese in den meisten Fällen mit 192.168 beginnen. Notieren Sie sich bitte die komplette Adresse.

Wechseln Sie nun zu einem anderen Computer in Ihrem Heimnetzwerk. Versuchen Sie dort die von Ihnen notierte IP Adresse Ihres Raspberry Pis zu pingen. Den Befehl ping können Sie auch  auch unter Windows nutzen, indem Sie die Eingabeaufforderung öffnen und dort den Befehl genauso ausführen, wie Sie das auf dem Raspberry Pi getan haben. Ist der ping des Raspberrys erfolgreich, können Sie ihn in ihre hosts-Datei einfügen. Dies ermöglicht es, den Raspberry von Ihrem Computer aus mit dem Namen webpi anzusprechen. Die hosts Datei finden Sie bei Windows Betriebssystemen unter C:\windows\system32\etc\hosts, unter Linux unter /etc/hosts. Unabhängig vom Betriebssystem müssen Sie diese Datei bearbeiten und das Folgende am Ende anfügen, wobei <IpRaspberryPi> durch die von Ihnen notierte IP Adresse des Raspberry Pi Servers ersetzt werden muss:

<IpRaspberryPi> webpi

Jetzt sollten Sie den Raspberry Pi mit dem folgenden Befehl erreichen können:

ping webpi

Falls dies noch nicht funktioniert, stellen Sie sicher, dass Sie webpi durch den Namen ersetzt haben, den Sie Ihrem Raspberry gegeben haben. Weiter ist es wichtig, dass die IP Adresse des Pis richtig notiert und in die hosts Datei übertragen wurde. Hat dies noch nicht zum gewünschten Erfolg geführt, stellen Sie sicher, dass Ihr Router ping-Befehle nicht blockiert.

Einrichten des Apache-Webservers

Da sie nun Ihren Raspberry Pi im Netzwerk erreichen können, müssen Sie nur noch einen Webserver aufsetzen, um Inhalte über Ihren Raspberry Pi ausliefern zu können. Ein sehr bekannter und weit verbreiteter Webserver ist Apache. Mit dem folgenden Befehl installieren Sie den Apache auf dem Raspberry:

pacman -S apache

Möchten Sie die Einstellungen des Apache Webservers anpassen, müssen Sie die Konfigurationsdateien bearbeiten, die sich im Ordner /etc/httpd/conf befinden. Die Hauptkonfiguration lässt sich mit der Datei httpd.conf anpassen. Hier können Sie unter anderem den DocumentRoot anpassen. Der DocumentRoot ist das Verzeichnis, in dem die Dateien liegen, die der Webserver ausliefert.

Haben Sie den Konfigurationsvorgang abgeschlossen, können Sie den Daemon des Apache Webserver mit dem Befehl httpd auf der Kommandozeile starten. Um sicher zu gehen, dass der Webserver läuft, prüfen Sie bitte mit Hilfe eines Browsers eines anderen Computers im Netzwerk, ob der Aufruf der Seite webpi den folgenden Text zum Vorschein bringt:

Index Of /.

Ist dies der Fall, läuft auf Ihrem Raspberry Pi ein Webserver mit Grundfunktionalität. Legen Sie nun eine Datei mit dem Namen index.html im DocumentRoot an und fügen Sie den folgenden html-Code ein:

<html>
    <body>
        <h1> Hello World! </h1>
        <p> This is a simple webpage being served by your RaspberryPi! </p>
    </body>
</html>

Falls Sie den DocumentRoot nicht angepasst haben, ist er unter /srv/http zu finden. Rufen Sie nun

http://webpi/index.html

in Ihrem Browser auf.

Sie haben nur einen einfachen Webserver aufgesetzt, mit dem Sie jedem Gerät in Ihrem lokalen Netzwerk Webseiten ausliefern können. Da dies aber noch nicht sonderlich nützlich ist, können Sie eine von unzähligen Open-Source Webapplikationen ausprobieren, die kostenfrei erhältlich sind. Darunter befindet sich unter anderem Software zum Termine planen und Projekte managen. Diese Software auf jedem Gerät in Ihrem Heimnetzwerk zur Verfügung zu haben, ist ein großer Vorteil. (Für die meisten dieser Werkzeuge müssen Sie jedoch einen kompletten Webserver Stack installieren. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie hier.)

Einrichten eines FTP Servers

Ein FTP Server erlaubt einen einfachen Up- und Download von Dateien vom und zum Raspberry Pi Server. Nachdem der Service auf Ihrem Pi aufgesetzt wurde, können Sie den Server als zentralen Netzwerkspeicher für Ihr Zuhause oder Ihre Arbeit nutzen. Wenn Sie zusätzlich eine externe USB Festplatte an den Raspberry Pi anschließen, können Sie eine große Datenmenge speichern und jedem im Netzwerk zugänglich machen. Am einfachsten richten Sie einen FTP Server ein, indem Sie das OpenSSH Paket installieren:

pacman -S openssh

Nachdem Sie Ihren Raspberry neu gestartet haben, können Sie mit Hilfe eines FTP Clients auf das Dateisystem des Raspberrys zugreifen. Ein grafischer Benutzerinterface ist beispielsweise FileZilla, das kostenlos erhältlich ist. Mit den folgenden Zugangsdaten können Sie sich am Raspberry Pi anmelden:

hostname: <Die IP Adresse Ihres Pis> login: <Ihr Login> password: <Das Passwort Ihres Logins> port: 22

(Die Ausdrücke in <> müssen durch die passenden Werte Ihrer Konfiguration ersetzt werden.)

Wurden alle Schritte korrekt ausgeführt, sollten Sie sich nun einloggen können, sowie Dateien von Ihrem Raspberry herunter- und hinaufladen können.

Automatisches Starten des Webservices

Als Letztes muss noch sichergestellt werden, dass die Services Ihres Servers beim Starten des Raspberry Pis automatisch starten:

systemctl enable httpd.service
systemctl enable sshd.service

Die zwei vorangehenden Kommandos führen dazu, dass Arch die Daemons httpd und sshd, welche für unseren Web- und SSH/FTP Server verantwortlich sind, als System-Services registrieren. Beim Systemstart werden diese nun automatisch gestartet.

Zusammenfassung

Sie haben nun Ihren Raspberry Pi mit Arch Linux ARM in einen Server für Ihr lokales Netzwerk gewandelt, auf dem Sie Informationen, Dateien und mehr speichern können. Schauen Sie wieder bei EEWeb vorbei um einen Einblick in die Entwicklung von interessanter Software für den Raspberry Pi zu bekommen.

Artikel Quellen:

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